Am Anfang jeder Budgetberatung stehen die festen Ausgaben. Sie genau zu erfassen, ist leider etwas mühselig. Aber ihre Erfassung ist die Grundlage für gute Beratung.
Was sind die festen Ausgaben?
Feste Ausgaben (=Fixkosten) sind alle Zahlungen, die sich regelmäßig wiederholen und in der Höhe meist gleich bleiben. Die meisten festen Ausgaben wie z.B. die Miete müssen jeden Monat gezahlt werden. Es gibt aber auch feste Ausgaben wie z.B. die Rundfunkgebühren (GEZ), die nur quartalsmäßig, also einmal alle drei Monate, abgebucht werden.
Feste Ausgaben werden meist entweder als Dauerauftrag auf dem Konto eingerichtet oder als Lastschrift vom Empfänger abgebucht. Daueraufträge haben den Vorteil, dass man selbst bestimmt, zu welchem Termin der Betrag vom Konto abgebucht wird. Bei Daueraufträgen muss aber regelmäßig überprüft werden, ob der Betrag noch stimmt. Das vergessen viele unserer Ratsuchenden gerne und dann entstehen z.B. Miet- oder Stromschulden. Bei Lastschriften wird der Betrag bei Änderungen vom Empfänger selbst angepasst. Der Nachteil bei den Lastschriften ist, dass sie oft über den Monat verteilt fällig werden. Ist am Fälligkeitstag nicht genügend Geld auf dem Konto, kommt es zu teuren Rücklastschriften.
Rücklastschriften auf dem Kontoauszug sind immer ein Indikator dafür, dass in der Budgetplanung etwas schief läuft.
Wie erfasst man feste Ausgaben am besten?
Um alle festen Ausgaben zu erfassen, schaut man sich am besten die Kontoauszüge eines ganzen Jahres an. Beim Online-Banking geht das erstaunlich schnell. So erfasst man auch feste Ausgaben, die nur einmal im Jahr abgebucht werden.
Am übersichtlichsten ist die Erfassung in einer Jahresübersicht. Sie zeigt ganz schnell auf, welche Monate kritisch sind. Diese finden Sie über über https://informationsoffensive.de/downloads/ unter Schuldnerberatung – Jahresübersicht als Exel-Datei.
Eine andere Möglichkeit ist das Erstellen eines Monatsbudgets. Dabei müssen aber alle Zahlungen, die nicht monatlich anfallen, auf den Betrag pro Monat runter gerechnet werden.
Mittlerweile bieten auch viele Banken beim Online-Banking eine Kategorisierung und Auswertung der Umsätze an. Dabei muss aber die Kategorisierung anfänglich oft korrigiert werden. Außerdem trennen diese Programme meist nicht klar zwischen festen und variablen Ausgaben. Sie bieten aber einfache erste Anhaltspunkte.
Im Internet finden sich auch zahlreiche Apps. Der Vorteil der Apps ist, dass sie die Daten einfach aus dem Konto übernehmen. Doch auch bei den besten Apps kommt man nicht umhin, die Kategorisierung zu überprüfen.
Nach dem Erfassen kommt das Bewerten
Das Erfassen der festen Ausgaben ist eine Fleißaufgabe, die die Ratsuchenden mit etwas Anleitung mehr oder weniger gut selbst machen können. Der nächste Schritt erfordert oft eine Beratung. Nun muss jede einzelne feste Ausgabe überprüft werden: Ist sie zu hoch, ist sie notwendig, kann der dazugehörige Vertrag gekündigt werden? Das ist sehr zeitaufwendig und braucht viel Feingefühl gegenüber den Ratsuchenden. Jeder Mensch ist anders und hat andere Bedürfnisse. Bei Familien treffen viele unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander, verbunden mit sehr vielen Emotionen. Da kann die Budgetplanung auch schnell zur Lebensberatung werden.
1.) Miete und Nebenkosten:
Gerade in Ballungszentren sind die Mieten eine enorme Belastung. Durch den Mangel an Mietwohnungen ist es oft fast unmöglich, eine günstigere Wohnung zu bekommen. Bei Menschen mit Arbeitseinkommen kann man die 30 %-Regel anwenden: die Warmmiete (inklusive Heiz-und sonst. Nebenkosten) sollte höchstens 30 % des monatlichen Gesamteinkommens ausmachen. Liegt die Warmmiete deutlich darüber, muss bei den anderen Ausgaben noch mehr gespart werden. Die Kaltmiete lässt sich nur durch einen Umzug in eine günstigere Wohnung ändern. Aber bei den Nebenkosten schlummert manchmal ein enormes Einsparpotenzial. Hier hilft es, die letzte Nebenkostenabrechnung anzuschauen. die größten Posten sind meist die Heizkosten und die Wasserkosten. Hier helfen manchmal Kleinigkeiten wie ein Durchlaufbegrenzer am Wasserhahn.
2.) Strom
Beim Strom sollte genau hingeschaut werden, wofür alles Strom verbraucht wird. Wird mit Strom geheizt? Gibt es einen eigenen Zähler für diesen Wärmestrom? Alte Nachtspeicheröfen haben oft einen enorm hohen Verbrauch. Manchmal kommt der hohe Verbrauch aber auch durch eine falsche Nutzung. Um die Kosten für den Heizstrom zu senken, sollte man auch die Raumtemperatur messen. 1 Grad weniger spart oft 10 % Kosten. In vielen Wohnungen ist es eigentlich zu warm.
Läuft die Warmwasserversorgung über Strom? Hier kann eventuell durch ein geändertes Nutzungsverhalten oder andere Einstellungen beim Boiler eine Menge gespart werden.
Gibt es Stromfresser, die den Haushaltsstrom in die Höhe treiben? Mit einem Strommessgerät kann man den Stromverbrauch einzelner Geräte messen. Alte Elektrogeräte können Stromfresser sein, aber auch große Fernseher und Gaming-Computer.
Generell ist es sinnvoll, immer mal wieder den Zählerstand zu überprüfen. Bei vielen Stromanbietern kann man diese auch im Online-Portal eingeben, um zu prüfen, ob die Höhe des monatlichen Abschlags noch passt. Das erspart böse Überraschungen bei der Jahresabrechnung.
Und: Ein Wechsel des Stromanbieters lohnt sich fast immer und ist über die verschiedenen Vergleichsportale sehr einfach.
3.) Internet, Telefon und Handys
Hier sollte jeder einzelne Vertrag geprüft werden, zu welchem Zeitpunkt er gekündigt werden kann und ob es günstigere Anbieter gibt. Beim Handy sind Prepaid-Tarife meist wesentlich günstiger. In Familien mit mehreren größeren Kindern sind die Gesamtkosten für alle Handys oft enorm hoch.
4.) Versicherungen
Das Bedürfnis, im Ernstfall abgesichert zu sein, ist bei vielen Menschen sehr groß. Und deshalb wird alles mögliche versichert. Die Bandbreite an Versicherungen ist riesig.
Versicherungen verhindern nicht, dass ein Ereignis eintritt. Sie helfen nur, den durch das Ereignis eingetretenen Schaden zu mindern. Deshalb hilft es, sich zu fragen: Was wäre denn der Schaden? Wieviel davon würde die Versicherung tatsächlich übernehmen? Lohnt sich das dann im Verhältnis zu den Kosten für die Versicherung überhaupt? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis bei mir eintritt?
Für Alleinstehende, die keine Personen um sich haben, die abgesichert werden sollten, macht eine Lebensversicherung keinen Sinn. Wer wegen eines geringen Einkommens Anspruch auf Beratungs- und Prozesskostenhilfe hat, braucht keine Rechtsschutzversicherung.
Oft ist es sinnvoller, selbst etwas Geld anzusparen, um auf unvorhergesehene Ereignisse vorbereitet zu sein. Denn: das angesparte Geld bleibt da, die Zahlungen an die Versicherung sind auch dann weg, wenn das Ereignis nicht eingetreten ist.
Es gibt noch viele weitere feste Ausgaben, z.B. rund ums Auto, für Haustiere, fürs Fitnessstudio …. .Für alle solchen festen Ausgaben gilt: Wenn das Geld dafür nicht reicht, kann ich sie mir nur dann leisten, wenn ich das Geld dafür wo anderes einspare. Denn wer sein ganzes Geld für feste Ausgaben ausgibt, hat nichts mehr zum Essen. Und ohne Essen kann man nicht leben.
Doch es ist und bleibt immer die Entscheidung der Klient*innen, ob und auf was sie verzichten wollen. Wir beraten nur – entscheiden müssen die Klient*innen selbst.
