12. Dezember 2025

Die Budgetberatung ist ein unverzichtbarer, aber auch für alle Beteiligten nicht ganz einfacher Teil der Schuldnerberatung. Für die beratenen Klienten ist eine ausgewogene Haushaltssituation die Basis für ein dauerhaftes Leben ohne neue Schulden. Trotzdem wird dieser Aspekt der Beratung oft vernachlässigt. Wir haben das durchaus wichtige Thema zum Anlass genommen, eine kleine Artikelreihe dazu zu veröffentlichen.

In der Beratung gibt es oft, auch aufgrund der mangelhaften Finanzierung, nicht genug Zeitressourcen für die umfangreiche Übersichtserstellung sowie die dafür nötige aufwändige Recherche. Die Hilfesuchenden hingegen sind aus Scham oder Furcht vor „Verboten“ vielleicht auch ganz froh, wenn niemand so genau nachfragt. Hier gilt es als Berater mit viel Feingefühl und Respekt, aber auch mit Nachdruck zu agieren, um die ohnehin von Scham geprägten Hilfesuchenden nicht zu überfordern. Die Budgetberatung, so notwendig sie auch ist, kann und muss ein Hilfeinstrument sein, dessen Ergebnisse für die Betroffenen als Unterstützungsangebot und nicht als Bevormundung kommuniziert werden sollten.

Durch gute Budgetberatung kann der Berater einen fundierten Überblick über die aktuelle Situation des Hilfesuchenden gewinnen und durch erste professionelle Tipps bereits einige Handlungsspielräume eröffnen:

  • Gibt es überflüssige Ausgaben, die vermieden werden können (Verträge kündigen und Gewohnheiten verändern, durch günstige Varianten ersetzen)?
  • Sind alle im Einzelfall möglichen Leistungen beantragt?
  • Gibt es z.B. Hinweise darauf, dass besondere weitere Hilfestellungen benötigt werden, z.B. Suchtberatung?

Zudem beschäftigen sich die Hilfesuchenden gemeinsam mit dem Schuldnerberater strukturiert mit ihren Ausgabe- und Einnahmemodalitäten.  Sie haben die Möglichkeit, durch das Erkennen von Stellschrauben und der Umsetzung von Veränderungen ein Stück Selbstwirksamkeit zurückzugewinnen („Was machen macht was“).

Aber natürlich hat der Beratungserfolg auch seine Grenzen. Wenn von sozialpolitischer Seite aus die Regelbedarfe zu knapp bemessen werden, Anträge, z.B. beim Wohngeld, monatelang in der Bearbeitungsschleife feststecken oder prekäre Arbeitsverhältnisse vorherrschen, kann das Einkommen nicht oder nicht in absehbarer Zeit verbessert werden. Die meisten von Armut Betroffenen haben zudem in Zeiten von völlig überlaufenen Tafelläden auch keine Stellschrauben mehr, die Einsparungen in spürbarer Höhe versprechen könnten.

Ohne die Überprüfung und die Beschäftigung mit dem aktuellen Budget ist aber keine nachhaltige Beratung möglich, da ansonsten das Augenmerk rein auf der Beseitigung der Altschulden liegt.

Um die Budgetplanung in die Beratung einzubauen, gibt es verschiedene Wege. Hier muss überlegt werden, welches Instrument am besten zum Betreffenden passt und möglichst einfach in dessen Alltag integriert werden kann. Der Aufwand sollte so gering wie möglich gehalten sein, damit es auch über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden kann. Denn nur dann sind die Ergebnisse aussagekräftig.

Nachfolgend werden drei Instrumente vorgestellt, die sich in der Beratung bewährt haben.

  • Das langerprobte und bewährte klassische Haushaltsbuch. Hier werden alle Ausgaben auf Papier (häufig in einem Buch) über einen Zeitraum festgehalten. Solche Budgetbücher bieten Banken meist kostenlos an. Vergessen werden sollten dabei nicht die festen Einmalzahlungen übers Jahr oder Quartal, diese müssen im Budget berücksichtigt werden, z.B. Versicherungen, die zum Jahresanfang abgebucht werden. Unterschieden wird bei der Dokumentation zwischen den festen Kosten und den flexiblen Kosten. Es ist durchaus sinnvoll, auch über mehrere Monate die tatsächlichen flexiblen Kosten zu dokumentieren. So lässt sich überprüfen, ob das vorgesehene Budget für die einzelnen Bereiche wie beispielsweise Hobbys, Lebensmittel etc. den tatsächlichen Ausgaben entsprechen. Hierbei geht es zunächst allein um die Erkenntnis, wo das Geld hingeht und in welcher Höhe. Außerdem sieht man so unterm Strich, ob die tatsächlichen Ausgaben den Einnahmen entsprechen. Nun liegen die Fakten auf dem Tisch und diese können ein möglicher Einstieg in die Beratung sein, hierbei gilt es feinfühlig vorzugehen und die zu Beginn im Artikel genannten Punkte zu berücksichtigen. Es soll in keinem Fall das Gefühl für den Betroffenen entstehen, das bewertet wird oder diktiert wird, wo eingespart werden soll. Diesen Schritt können wir nur unterstützen, gehen muss ihn die betreffende Person selbst.
  • Deutlich einfacher ist das Instrument der sogenannten „Briefumschlagmethode“. Hier wird am Anfang des Monats das Geld in die entsprechend den Kategorien unterteilt. Zum Bsp. 250€ in den Briefumschlag Lebensmittel, 100€ in den Briefumschlag für Hobbys etc. Dieses Instrument unterstützt vor allem darin, nicht mehr auszugeben als das Budget hergibt. Eine detaillierte Übersicht erhält man so jedoch nicht, es lässt sich aber unkompliziert und einfach umsetzen.
  • Zunehmend vor allem bei den jüngeren Menschen zum Einsatz kommen die Budget-Apps. Diese werden sowohl direkt von Banken angeboten oder auch von anderen Anbietern, die dann meist eine Verknüpfung mit dem Onlinebanking anbieten. Da die jüngere Generation zunehmend bargeldlos unterwegs ist, ist dies eine sehr einfache und unkomplizierte Methode, eine Übersicht seiner Ausgaben und Einnahmen zu erhalten. Es läuft sozusagen nebenbei. Die Apps haben verschiedene Tools/Werkzeuge wie zum Beispiel das Erstellen von Übersichtsdiagrammen, Auswertungen nach Kategorien, Erstellen von Sparplänen etc. Jedoch muss natürlich auch hier besonders gut geprüft werden, wem man seine Daten hier zugänglich macht und ob es sich um eine „gute App“ handelt. Häufig sind die Budget-Apps nur zum Teil kostenlos, möchte man die tiefergreifenden Möglichkeiten nutzen, muss meist etwas bezahlt werden. Dies muss berücksichtigt und abgewogen werden. Es gibt aber auch kostenlose Apps, die zumindest zum Dokumentieren der Ausgaben und Einnahmen völlig ausreichend sind. Das Präventionsteam der Zentralen Schuldnerberatung Stuttgart hat ein Übersichtsblatt mit möglichen Budget-Apps zur Nutzung erstellt. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist bei diesem Instrument die persönliche Haltung des Beraters. Ist die Beratende Person selbst nicht so affin in technischen Dingen, ist sie vielleicht eher abgeneigt, dieses Instrument vorzuschlagen bzw. kann auch nur bedingt unterstützend sein in der Anwendung oder Auswertung. Dies sollte man sich als beratende Person bewusstmachen.