Nicolas Mantseris, Caritasverband für das Erzbistum Hamburg, legt zum achten Mal seinen jährlichen Bericht zur Überschuldungssituation in Deutschland vor. Eine Beschreibung seines Vorgehens und die Berichte der letzten Jahre finden Sie im Beitrag zum Überschuldungsindex 2023 (für 2022).
Die Ergebnisse des aktuellen Berichts:
- Der Überschuldungsindex steigt deutlich auf 67 Punkte.
- Die Zahl der Stromsperren steigt um mehr als 20 % im
Vergleich zum Vorjahr - Die Zahl der Zwangsräumungen steigt im Jahresvergleich um 6,9 %.
- Erneut hat der Anteil an ehemals Selbständigen an den vereinfachten Verfahren mit 13,1 % einen Höchststand erreicht.
- Das Volumen der an Verbraucherhaushalte vergebenen kurz- und mittelfristigen nahezu gleich geblieben.
- Unerwartet und gegen den Trend hellt sich die Stimmung der Haushalte mit niedrigem Einkommen auf. So ist der Anteil der Haushalte mit niedrigem Einkommen, die haben, finanziell nicht zurecht zu kommen, von 8,1 % auf 5,6 % gesunken.
Im
Die Indikatoren für den Überschuldungsindex lassen keine Trendumkehr erkennen. Die ausgewählten Daten aus der EU-Silc-Studie zeigen jedoch eine überraschende Wende. Aus der EU-Studie werden nur Daten von Haushalten betrachtet, deren Einkommen unter 60 % des Median-Einkommens liegen, die also formal als einkommensarm gelten. In dieser Bevölkerungsschicht hat sich die Stimmung über alle vier betrachteten Indikatoren unerwartet aufgehellt.
Während die Zahl der Stromsperren bundesweit um 20 % zugelegt hat, ist die Entwicklung in den Bundesländern sehr unterschiedlich. So sank die Zahl der Sperren in Rheinland-Pfalz leicht um rund 1%, während in Hamburg die Zahl der Sperren um 135 % zugenommen hat. Auch bei den Zwangsräumungen ist eine sehr unterschiedliche Entwicklung in den Bundesländern erkennbar, wenn auch die Spreizung nicht so erheblich ist. Während in Brandenburg die Zahl der Räumungen um 10,1 % gesunken ist, stieg die Zahl der geräumten Wohnungen in Nordrhein-Westfalen um 12,5 %.
Das Volumen der an Privathaushalte vergebenen kurzfristigen Kredite lag im September 2025 mit 30,8 Mrd. Euro gleichauf mit den Volumen im selben Monat in den Jahren 2024 und 2023.
Das Volumen bei den normalen Verbraucherkrediten mit einer Laufzeit von bis zu 5 Jahren lag im September 2025 bei 67,6 Mrd. Euro und damit gleichauf mit dem Monat September im Vorjahr. Im September 2023 lag das Volumen noch um rund 2 Mrd. Euro höher.
In den jährlichen Bericht zur Überschuldungssituation in Deutschland fließen neben der Gerichtsstatistik auch die aktuelleren monatlich veröffentlichten Daten der Insolvenzstatistik mit ein.
Während der Überschuldungsindex weiter der Kern dieses Berichtes bleibt, wird dieser um Daten ergänzt, die weitere Aspekte des Überschuldungsgeschehens im Bereich der privaten Haushalte sinnvoll abbilden.
- Die Arbeitslosenquote oder der Reallohnindex sind zwei Indikatoren, die Bezug nehmen auf das verfügbare Einkommen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.
- Das Kreditvolumen von Krediten an Privathaushalte lässt Annahmen zu, ob die Belastung von Haushalten durch Kreditraten gestiegen ist.
- Zwangsräumungen und Stromsperren wiederum sind in der Regel unmittelbar Folgen existentieller Zahlungsschwierigkeiten.
- Die ausgewählten Daten aus der EU-Silc-Erhebung ermöglichen die Betrachtung der subjektiven Einschätzung persönlicher Betroffenheit.
Die Zusammenstellung versteht Überschuldung als Ergebnis gesamtgesellschaftlicher Prozesse. Im Anhang finden sich, wie gewohnt, Erläuterungen zu den Indikatoren des Überschuldungsindex.
Den Gesamtbericht finden Sie hier:
